Freitag, 31. Mai 2013

Alltag woanders (35): Campe, wer da wolle...

Wir staunen immer darüber, wie viele Eltern Dinge tun, die irgendwelchen weichgezeichneten Bildern in ihren Köpfen folgen. Bollerwagen gehören dazu, weil es so putzig aussieht, wenn die Kleinen zwischen Picknick-Decken und Sandspielzeug ergonomisch fragwürdig hocken oder Landleben-Idylle nach dem Michel-Schnittmusterbogen.

Beides recht albern: Wer schon mal vollbepackt versucht hat, einen Bollerwagen aus dem Keller zu zerren oder Weideland eher zum Weinen findet, der weiß, wovon ich rede.

Noch so eine Idee, auf die Menschen verfallen, so bald sie sich vermehrt haben: Mit Kindern muss man Campen gehen! Camping-Plätze sind ja sowas von praktisch: Die Familie ist zusammen, man ist viel an der frischen Luft, da fahren keine Autos und dort gibt es andere Familien mit Kindern. Mit einem Zelt oder Caravan ist man auch frei, überall hinzufahren, wo man will.

- sofern man nicht zentral Quartier machen will und Infrastruktur ablehnt, mag der letzte Punkt zumindest stimmen. Und mit Wohnwagen oder -mobil passt am eh nicht in den Stadtverkehr. Natürlich ist mal auch viel an der frischen Luft - wer will denn auch schon die ganze Zeit in einer stickigen kleinen Konserve oder einer von innen beschlagenen Zeltbahn hocken?

Camping-Urlaub ist nicht romantisch! Man muss alle Dinge der tagtäglichen Hausarbeit auch im Urlaub verrichten und das mit unzureichenden Mitteln im unzureichenen Platz - egal ob Kochen, Geschirrspülen oder Wäsche waschen. Die Waschbecken sind kleiner oder nicht vorhanden und das Wasser muss in Kanister angeschleppt werden. Was soll an einem Leben in der Steinzeit schon toll sein?

Wir haben es nun gerade eine Woche lang versucht und sind nun vollends geheilt. Dabei haben wir nicht mal in einem Zelt oder Wohnwagen gelebt, sondern hatten uns einen Bungalow auf einem Campingplatz gemietet. Aber irgendwie bleibt Campingplatz eben doch Campingplatz - auch mit festen Wänden. Im seperaten WC tropfte es unter dem Waschbecken, obwohl zum Händespülen das Waschbecken in der Küchenzeile benutzt haben, die Teppichfliesen lösten sich und es wimmelte von Ameisen.

Zugegeben: Näher am Strand hätte man nicht wohnen können, aber die knapp zwei Kilometer Fußweg durch den Dünengürtel hatte man trotzdem. Unser Lösung: Einfach einen anderen Strand buchen, wo man die Hotels bis dicht an den Strand bauen darf! Dort werden wir dann Urlaub machen, während ihr euer Geschirr mit kalten Wasser in Plastikschüsseln spült und Bollerwagen durch das Dünenmehr zieht...

Kommentare:

Sandra hat gesagt…

Ich finde Campen auch ätzend! Ist überhaupt kein Urlaub und mit Erholung hat das für mich auch nichts zu tun! Vor manchen Leuten darf man das nur nicht laut sagen, weil man gleich als "verwöhnt" bezeichnet wird.

Sandra hat gesagt…

Ich finde Campen auch ätzend! Ist überhaupt kein Urlaub und mit Erholung hat das für mich auch nichts zu tun! Vor manchen Leuten darf man das nur nicht laut sagen, weil man gleich als "verwöhnt" bezeichnet wird.